Guter Ausgang in der Liebe

Das wünscht sich jeder, den  „guten Ausgang in der Liebe“. Bis ins hohe Alter suchen die Menschen vor allem eins,  die so erfrischende, belebende neue Liebe.  Manchmal gibt es Zeiten, da knistert es förmlich in der Luft. Da fällt der Flirt leicht und alles scheint zu gelingen. Man startet frisch und beschwingt ins Neue, springt in die Nähe und nach einer Weile „äh“, entpuppt sich der neue Prinz, die neue Prinzessin als die alte. Nur im neuen Gewand. Es ist wie verhext. Was ist da los?
Ganz einfach. Wenn wir tolle Glücksaspekte haben, Venus winkt, Jupiter winkt, Uranus im Spiel ist, stehen die Türen weit offen. Doch das bedeutet natürlich keinesfalls, dass der ersehnte geliebte Herzensmann morgen früh fertig verpackt  vom Paketdienst und Amazon Prime pünktlich geliefert wird. In der Fachsprache der Liebesuchenden heißt dieser Traummann seit vielen Jahren übrigens nur noch „mein HM“.  Den HM als solches gibt es nicht. Niemand hat ihn gebacken. Er ist und bleibt ein Phantom. Genaugenommen ist der HM die gesammelte Wunschliste der Leserschaft des Bestellers „Bestellungen an das Universum“. 
Wenn ein solches Wunderwerk der männlichen Schöpfung ins Leben träte, wäre es doch nur logisch, dass der Schöne und traumhafte HM auch ein paar Erwartungen mitbringt. Eine gewisse Resonanz sollte schon sein. So wird oft vor allem Ähnliches gesucht, zum Beispiel ähnliche Bildung, ähnliche Hobbies, Freizeit und Verfügbarkeit. Aber gerade hier wünscht sich die Geringverdienerin oft einen wohlhabenden Partner. Der wiederum möchte aus paritätischen Gründen eine gleiche oder zumindest adäquate Vermögenslage sehen.
Ist diese Hürde überwunden stellt sich heraus, daß die Traumfrau, der Traummann doch noch an alten Wunden leidet. Sie ist noch richtig geladen auf den Ex und sein heutiges Verhalten, auch gegenüber Kindern. Da soll der neue HM doch bitte erst einmal beweisen, das er anders ist. Er soll treu sein, bei Bedarf zärtlich, spendabel, sich mit dem Anhang verstehen, ein guter Liebhaber sein.
Umgekehrt ist die Forderungsliste zwar etwas anders gelagert, aber genau so lang. Die Liebste soll in jedem Alter sexy sein, die richtige Kleidergröße tragen, also sehr schlank sein, eine elegante Erscheinung, immer zur Verfügung stehen,  und genug Geld verdienen, damit er sie nicht zum Essen einladen muß oder andere Kosten entstehen. Wichtigster und meist nicht verhandlebarer Standpunkt: sie soll mindestens fünfzehn Jahre jünger sein.
Die tiefere Bedeutung der tatsächlich hervorragenden Aspekte und Transite aber ist „Ermutigung“ und „Gelegenheit“. Es ist jetzt leichter. Hormone unterstützen den Kontaktaufbau. Man macht leichter Kompromisse. Es gibt mehr Möglichkeiten. Das Universum schickt gerade ein paar ideale Partner vorbei,  damit du Partnerschaft lernst und dich weiterentwickelst.
Wobei das Universum ideal etwas anders definiert, als die gängigen Medien und Liebesromane. Äh, ja, denn Tatsache ist, niemand wird als perfekter Partner geboren. Partnerschaft muss man tatsächlich erlernen. Gerade die langverheirateten können an ihren Jubiläen ein Liedchen davon sind. Und sie zeigen den Weg.
Doch das wollen viele Liebeshungrige nicht hören. Es muß von Anfang an perfekt sein. Nicht nur die Chemie muß stimmen. So wird der eigene Wunschzettel mit zunehmenden Fehlversuchen und Jahren  länger und länger. Während man als Teenager noch unbeschwert im schönen Gefühl, im Kribbeln und Sehnen geschwelgt hat, soll der Partner heute nicht nur Höchstleistungen im Bett erbringen, sondern gleichzeitig bitte sehr auch noch die unterschiedlichsten Defizite im Leben ausgleichen und reparieren. Das kann ja nur schiefgehen.
Gerade die liebeshungrigsten Menschen selbst sorgen aber dafür , dass der neue Partner, die neue Partnerin nur eine Fata Morgana bleibt. Ihr verletztes Herz verlangt nach Linderung. Statt zu lieben, wollen sie geliebt werden. Statt zu geben, möchten sie lieber empfangen. Sicher ist sicher. Statt zu prüfen, ob der Neue, die Neue wirklich passt, soll sie im Hauruckverfahren dem eigenen Leben angepasst werden. Statt freudig gemeinsam Neues zu erkunden, werden idealisierte Vorstellungen aktiviert.
Die Lösung ist eigentlich ganz einfach. Kennenlernen und abwarten. Schauen, ob Freundlichkeit dominiert, Interesse und Neugier am anderen zeigen und erwarten. Weiter kennenlernen. Gemeinsam Dinge unternehmen. Abwarten und weitermachen. Und nochmal abwarten. Ist der Hormonrausch, unter anderem durch das verflixte Oxytozin, dann wiederabgeklungen, sieht man schnell die Realität. Jetzt wird das Ganze langsamer, Projektionen werden zurückgenommen, neue Projektionen hinzugefügt und eine neue Runde des alten Spieles kann beginnen. Und das kann tatsächlich Spaß machen. Wer hier standhält, dranbleibt, Glaubenssätze und Projektionen hinterfragt, kann viel gewinnen. Der Lohn der Mühe ist eine stabile belastbare Partnerschaft.

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